Wenn Unternehmer über wirtschaftliche Stellschrauben sprechen, geht es häufig um Preise, Kosten, Auslastung, Marketing oder Prozesse.
Über Mitarbeiterführung wird dagegen schnell gesprochen, als wäre sie vor allem ein kulturelles Thema.
Für Dienstleistungsunternehmen halte ich diese Trennung für falsch.
Denn dort wird ein großer Teil der Leistung jeden Tag von Menschen erbracht.
Ein Mitarbeiter entscheidet mit seinem Verhalten darüber, wie sorgfältig gearbeitet wird. Wie schnell Probleme erkannt werden. Wie Verantwortung übernommen wird. Wie Kollegen miteinander arbeiten. Und vor allem: wie der Kunde das Unternehmen erlebt.
Damit ist Führung keine Ergänzung zum Geschäft. Führung ist Teil des Geschäfts.
Schlechte Führung taucht selten als eigene Position in der BWA auf
Genau deshalb wird ihre wirtschaftliche Wirkung häufig unterschätzt.
Wenn Verantwortlichkeiten unklar sind, entstehen Rückfragen.
Wenn Erwartungen nicht ausgesprochen werden, entstehen Fehler.
Wenn Konflikte zu lange ignoriert werden, sinkt die Zusammenarbeit.
Wenn Mitarbeiter bei jeder Entscheidung den Chef brauchen, wird der Unternehmer selbst zum Engpass.
Und wenn gute Mitarbeiter irgendwann gehen, beginnt die Suche von vorne.
Keiner dieser Punkte heißt in der Buchhaltung „schlechte Führung“.
Trotzdem kosten sie Zeit, Geld und Leistungsfähigkeit.
Mitarbeiterführung bedeutet nicht, Menschen bei Laune zu halten
Auch hier liegt aus meiner Sicht ein Missverständnis.
Gute Führung bedeutet nicht, jeden Mitarbeiter permanent zu motivieren.
Und sie bedeutet auch nicht, es allen recht zu machen.
Gute Führung schafft Klarheit.
Was wird erwartet? Wer trägt wofür Verantwortung? Welche Entscheidungen darf jemand selbst treffen? Wo liegen Grenzen? Welche Leistung ist ausreichend – und welche nicht?
Aber genau dafür muss ich den Menschen vor mir zumindest ein Stück weit verstehen.
Denn Menschen reagieren unterschiedlich auf Verantwortung, Druck, Anerkennung, Veränderung und Konflikte.
Gleiche Regeln können sinnvoll sein. Gleiche Führung funktioniert deshalb noch lange nicht bei jedem Menschen gleich.
Menschen verstehen wird damit wirtschaftlich relevant
Wer seine Mitarbeiter besser einschätzen kann, kann präziser führen.
Nicht weicher.
Präziser.
Er erkennt früher, wann jemand Orientierung braucht.
Er erkennt, wann jemand Verantwortung übernehmen könnte, sie aber noch nicht bekommt.
Er erkennt auch, wann ein Problem nicht durch noch mehr Verständnis gelöst wird, sondern durch eine klare Entscheidung.
Genau hier treffen für mich Menschenkenntnis und unternehmerische Führung aufeinander.
Denn am Ende entscheidet sich wirtschaftliche Qualität im Dienstleistungsunternehmen häufig in sehr kleinen Situationen:
Übernimmt jemand Verantwortung oder wartet er?
Spricht jemand einen Fehler an oder versteckt er ihn?
Löst jemand ein Kundenproblem selbst oder schiebt es weiter?
Arbeiten fünf Menschen wirklich als Team – oder nur gleichzeitig im selben Betrieb?
Deshalb ist Mitarbeiterführung ein Wirtschaftsfaktor
Nicht jede Umsatzentwicklung lässt sich auf Führung zurückführen.
Aber Führung beeinflusst jeden Tag die Bedingungen, unter denen Leistung entsteht.
Sie beeinflusst Verantwortung. Zusammenarbeit. Servicequalität. Stabilität. Und damit letztlich auch die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit eines Betriebs.
Deshalb beschäftige ich mich bei Mitarbeiterproblemen nicht zuerst mit der Frage:
„Wie motivieren wir unsere Leute?“
Mich interessiert zunächst:
Verstehen wir überhaupt, warum sie so handeln, wie sie handeln – und führen wir daraus die richtigen Konsequenzen ab?
Denn für mich gilt weiterhin:
Menschen verstehen macht Umsatz.
Nicht als Wohlfühlbotschaft.
Sondern als unternehmerische Logik.
Markus Seubert
Strategischer Unternehmerberater